Schön. Schöner. Mannheim-Schönau.

1. März 2020 in Allgemein

Zugegeben, als ich vor 14 Tagen auf der Rückreise der WM in Lyon war, wäre ich am liebsten in Mannheim ausgestiegen. Weil ich dann genau pünktlich mit 10.000 Zuschauern in der SAP Arena Mannheim gewesen wäre, um einen emotionalen Krimi live mitzuerleben: Den unerwarteten, als aussichtslos eingeschätzten deutschen Pokalsieg der Dresdner Volleyballerinnen.

Was bitte hat das mit Tanzen zu tun?
Ich bin mit dem Gefühl nach Mannheim gefahren, dass diese Stadt aktuell ein ausgezeichneter Ort für Dresdner Sportmannschaften ist, die nicht als Favorit anreisen.

Damit das Abenteuer 2. Bundesliga entspannt anfängt, sind wir extra am Vortag angereist. Ziel: Die südwestlichste Gemeinde in Hessen: Lampertheim.

Das erste Highlight:
Wir haben im Fährhaus direkt am Altrhein hervorragend gegessen. Da selbst das gastronomische Fachpersonal von InsTanz lobende Worte fand, muss es wirklich gut gewesen sein.

Das zweite Highlight:
Endlich einmal vor einem Turnier spät frühstücken und im Hotelzimmer bis 12 Uhr entspannt die Haare in Form bringen.
Im separaten Frühstücksraum des Taste-Smart-Hotels hatte ich die Chance, der Mannschaft meine Wünsche für diese Saison mitzugeben:
Erdverbundenheit. Liebe, Vertrauen, Miteinander. Das Verschmelzen mit der Choreographie.
Beeindruckt hat mich, mit welcher Aufmerksamkeit mir die Mannschaft zugehört hat. Ein Glück, dass das Zittern meiner Knie beim Sprechen niemand hören konnte.

Der Austragungsort, die Sporthalle des Johanna-Geissmar-Gymnasiums in Mannheim-Schönau ist vermutlich älter als unsere Formationsmitglieder. Mit auffallendem Grafitti an den Außenwänden. Vor der Halle wurde ich von der Mannschaft sehr herzlich mit einem La-Ola-Spalier begrüßt: Ich hatte meine Trainingseinheit in Form eines 17-km-Laufes von Lampertheim nach Schönau rein zufällig zum richtigen Zeitpunkt beendet.

Auf dem letzten Laufkilometer hatte ich die Gelegenheit, ein wenig in den als soziales Brennpunktgebiet wirkenden Vorort Mannheim-Schönau einzutauchen. Der Turnierort wirkte deshalb auf mich authentisch: Sehr herzliche Menschen, die sich mit einfachen Mitteln und humanen Preisen alle erdenkliche Mühe gaben.
Der Vereinsname des Ausrichters: Power-Sport-Center. Viel Power hatten vor allem die Musikanlage samt DJ. Und der Turnierleiter, der Lilly mit einer rhetorischen Frage vor dem Tanz begrüßte: „Was hast du denn gemacht, dass du als Einzige von der anderen Seite auf die Fläche kommen musst?“
Auffallend war, dass wir die einzige Mannschaft waren, die ihr Formationsbanner in der Halle angebracht hatte. Vielleicht ist es im Ligagebiet Süd nicht üblich, Banner mitzubringen, da auch die Verbandsligateilnehmer keine hatten.

Klein, aber mit viel Power: Die Musikboxen.
Die etwas andere Idee: Abdeckplane statt Bühnenmolton – auch für Sitzbänke.

Mein schönstes Geschenk des Tages war die emotionale Bereitschaft der Mannschaft. Als wenn die Mannschaft nahtlos dort weitermacht, wo sie im Juni 2019 aufgehört hat. Annika hat mit dem Thema genau wie im letzten Jahr einen Nerv oder vielleicht auch wunden Punkt der Tänzer-Seelen getroffen: Surviving without you – Überleben & Abschied nehmen…

Das Überleben ist immer spannend. Und ein bischen lebensgefährlich. Für einige Menschen fühlt sich die Lage aktuell so riskant an, dass manche Veranstalter das Corona-Absagefieber gepackt hat.

Deshalb das dritte Highlight:
Diese Turnierveranstaltung hat „survived“. Damit konnte unser aktuelles tänzerisches Programm rund ums Überleben Premiere feiern.
Meine Vorfreude auf die Choreographie hatte insbesondere einen Grund: Sie bringt Körper und Seele zum Schwitzen (= Schweiß & Tränen). Bei der Stellprobe vor es schon knapp, meine Emotionen im Griff zu haben. Bei der Vorrunde habe auch ich nahtlos dort weitergemacht, wo ich im Juni 2019 aufgehört habe: Freudentränen vergießen.

Bei der Verkündung der Ergebnisse, in welchem Finale wir noch einmal tanzen dürfen, mussten wir ein bisschen leiden: Da wir diese Saison die Startnummer 1 tragen, ist im Normalfall der chronologischen aufsteigenden Ansage sofort bei allen Alarmstufe rot.

Aber manche Turnierleiter fangen eben von hinten an. Kurzes Durchatmen, wieder sammeln, am Ende jubeln: Die 1 war dabei.

Verkündung der Vorrundenergebnisse
für Insider besonders sehenswert: Daria, der Ruhepol der Mannschaft

Nach dem Mannschaftskreis vor dem großen Finale war ich mir sicher: Das große Finale kann nur richtig gut werden. Die Lust auf leidenschaftliches Tanzen lag einfach in der Luft.

Das InsTanz-Maskottchen als Kniepolster unter mir hatte beim großen Finale ganz schön zu leiden. Unser Fanblockmitglied Esra aus Mainz fragte prompt: „Willst du dich nicht hinsetzen?“ Dazu war ich irgendwie nicht in der Lage. Nachdem meine Augen wieder halbwegs getrocknet waren, war da ein Gefühl von: Einfach großartig, mehr geht nicht. Wenn die Tänzer gerade soviel Freude hatten wie ich, dann müssen doch jetzt alle glücklich von der Fläche gegangen sein?
Ein kurzer Rückblick mit Toralf Belke und wir waren uns über die drei Formationen einig, die auf den Trommelwirbel-Plätzen liegen.
Heißt: Wir fahren heute nicht ohne einen Pokal der 2. Bundesliga nach Hause. Ob das wohl stimmt?

Meine Erlebnisse lassen sich am besten mit nachfolgendem Bild eines Restaurantleiters beschreiben:
Meine Servicekräfte hatten einen großartigen Job gemacht, den Gästen in der Halle die bestmögliche Freude zu machen. Da waren aber neun weitere Teams, welche die Gäste ebenso betreut haben. Nun war es an der Zeit, dass die Wertungsrichter über das „Trinkgeld“ entscheiden. InsTanz gehört zu den Formationen, die in den vergangenen Saisons großzügig damit beschenkt wurden.
Das tückische beim Thema Trinkgeld: Es ist ein Geschenk. Sobald man es als fest eingeplanten Teil der emotionalen oder finanziellen Entlohnung empfindet, ist die Freude darüber dahin.

Das vierte Highlight:
Toralf und ich haben die ersten drei Formationen richtig geraten. Mannheim bleibt ein gutes Pflaster für Dresdner Sportmannschaften. Das „Trinkgeld“ dreier Wertungsrichter war so hoch, dass wir als Aufsteiger sofort mit dem zweiten Platz eingestiegen sind.
Und ich über eine Sache ab sofort nachdenken darf, über die ich eigentlich noch gar nicht nachdenken wollte: Ibbenbüren.
Ein beschaulicher Ort im Westfälischen. Wo ich vor vielen Jahren einmal in einem idyllischen Hotel am Mittellandkanal übernachten durfte.

Wenn die Mannschaft so liebevoll und leidenschaftlich die nächsten Turniere „überlebt“, dann kann es tatsächlich sein, dass sich die Wertungsrichter wünschen, dass wir diesen Ort im Juni besuchen.

Ein Bild – alles drin:
Phil, Meric das Team-Maskottchen und die Liebe.
Nina bei der Urkundenprüfung und viele glückliche Menschen.

Aber bis dahin wird noch viel Körperwasser (auf) den Tanzboden herunterfließen. Dafür wird Annika sorgen nach dem Prinzip: Surviving ist nur schön, wenn auch Schmerzen dabei sind.

Übrigens, Tipp für den Fanblock: Das nächste Turnier am 21.03.2020 in Apolda ist gefühlt fast um die Ecke im Vergleich zu Mannheim. Langes Ausschlafen inklusive.

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