Nachlese zum letzten Excelsior-Superwochenende

21. September 2017 in Allgemein, Ergebnisse

Unser Verein ist im letzten Jahr gewachsen und vielfältiger geworden. Immer dann, wenn ein neues Angebot ins Leben gerufen wird, kommen im Hintergrund ganz natürlich Fragen auf: Brauchen wir das wirklich? Haben wir überhaupt Kapazitäten dafür? Können wir damit sportlich erfolgreich sein? Seit dem letzten Wochenende kann ich für mich auch die letzte Frage ruhigen Gewissens mit Ja beantworten. 

Wenn ein trainingsfreudiger Tänzer oder Trainer in unsere Räumlichkeiten kam, ist es in den letzten Monaten sicher häufiger passiert, dass im Saal schon Musik lief. Nicht immer die eigene Wunschmusik, sondern die anderer Trainingskameraden aus einer anderen tänzerischen Stilrichtung. (Fast) alle wollten gut auf das vergangene Wochenende vorbereitet sein, was mich besonders gefreut hat. Wir als Verein sind hier gefordert, für alle Tänzer gute Bedingungen zur Vorbereitung zu schaffen.

Statistiker wollen ermittelt haben, dass Teilnehmer an sportlichen Wettkämpfen nur mit etwa 30% Wahrscheinlichkeit glücklich nach Hause fahren. Das liegt daran, dass sich jeder Sportler gegenüber dem letzten Mal (spürbar) verbessern möchte. Was aber rein statistisch nur in weniger als 50% der Fälle möglich sein kann. Weniger als 5% beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die Glücksgefühle zu spontanen Gefühlsregungen wie bei den berühmten Glückstränen „überkochen“. Das passiert immer dann, wenn das eigene Ergebnis derart begeistern kann, dass aus kühnen Träumen plötzlich Realität geworden ist. 

In diesem kurzen, aber besonders schönen Video ist ein solcher Augenblick zu sehen, den sich jeder Sportler gerne wünscht.
Man sieht dort eine offene Wertung für die Startnummer 4 Lilly & Phil. Und die spontanen Gefühle der Rührung. Beide haben zum ersten Mal in ihrem Leben an einem Solo&Duo-Wettbewerb teilgenommen. Schon der Umstand, dass die beiden in Anbetracht der Konkurrenz das Finale erreicht haben, war glückstränenreif.

Glücksgefühle zweier Tänzer: Ergebnis für Lilly & Phil bei der Rangliste in Wuppertal

Diese Momente zum „Mitheulen“ sind es, die den Sport so besonders faszinierend machen. In einem Gebiet, wo Hamburg, Nordrhein-Westfalen und das Saarland die tänzerische Landkarte dominieren, haben wir als „kleines gallisches Dorf TSC Excelsior Dresden“ einen kleinen Pflock einschlagen können. Dass Lilly & Phil bei drei Auftritten zweimal Bronze gewinnen, ist mehr, als wir und auch die beiden zu träumen hoffen konnten.

Damit sind Lilly & Phil für den Deutschlandpokal qualifiziert. Dass beide im Duo mit Paaren mithalten konnten, die Deutschland sonst bei Europa- und Weltmeisterschaften vertreten, ist nicht nur ein Verdienst der Tänzer, sondern auch der Choreografin. Annika, die für dieses Projekt viel Freizeit und Herzblut unentgeltlich investiert hat, konnte sich über eines riesig freuen: Dass ihre konzeptionellen Ideen eine so einschlagende Wirkung entfalten.
Die perfekte Mischung aus schnell & langsam, gemeinsam & getrennt sowie synchron & asynchron ist Lilly & Phil wie auf den Leib geschrieben. Die Insider des Excelsior-Turnierchats hatten das Glück, dieses Tanz-Kunstwerk am Wochenende per Video zu sehen. Für die anderen gibt es noch Chancen, alles Live zu sehen: In Dinslaken im Ruhrgebiet am 15.10.2017 oder in Mörfelden-Walldorf direkt an der Einflugschneise des größten deutschen Flughafens am 12.11.2017.

Das vergangene Wochenende war nicht nur für die „neuen“ Sportarten wichtig, sondern auch für den Standardtanz, der in unserem Verein schon seit vielen Jahrzehnten praktiziert wird. Besonders schön ist der Umstand, dass unsere Trainer die Landesmeisterschaften live verfolgt und die Paare entsprechend angespornt haben.

Auch wenn die Glücksgefühle vielleicht nicht so deutlich sichtbar wurden, wie bei Lilly & Phil. Es muss diese an diesem Wochenende auch bei einigen unserer Standard-Paare gegeben haben.

Eine Sportlerweisheit sagt: Aus Niederlagen lernt man mehr als aus Siegen.
Die letzten Landesmeisterschaften sind ein lebendiges Zeugnis, dass dieser Satz zu stimmen scheint.

Alex & Annett hatten bei der Generalprobe bei den GOC definitiv keine Freude am Turnierergebnis. Um so schöner ist das Turnierergebnis als Landesmeister der SEN I S. Nun haben die beiden damit die vereinsinterne „Hackordnung“ geändert. Lars & Pia sind nach dem Vizemeistertitel vermutlich nicht rundum zufrieden nach Hause gefahren. Wir dürfen uns auf die nächsten Turniere der beiden freuen, ob die Sportlerweisheit stimmt.

Viel gelernt haben im letzten Jahr auch Basti & Tara, die zum ersten Mal das Glücksgefühl eines Landesmeistertitels erleben durften. Ein weiteres Beispiel – Bruno & Livia hatten dieses Glücksgefühl gleich doppelt. Dort inklusive beider Eltern und Oma. Die ob des Doppelsieges fast noch überwältigter waren, als die Tänzer selbst.

Manchmal sind es keine sportlichen Niederlagen, die Paare nach vorn bringen, sondern die organisatorischen Veränderungen des Lebens selbst:
Camilla kann nicht glücklich gewesen sein, als ihr Tanzpartner Christoph eröffnete, dass er nach dem Island-Urlaub nicht nach Dresden zurückkehrt. Weil er in Köln einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Christoph hat dennoch alles menschenmögliche dafür investiert, dass die beiden so gut wie möglich trainieren und eine gelungene Landesmeisterschaft erleben konnten. Wenn man die Jugendlichen herausrechnet, sind die beiden Landesmeister in der HGR B :-). Sie sind aufgestiegen und haben beim ersten Start in der A-Klasse noch einmal Bronze gewonnen. Und dadurch eine weitere vereinsinterne Rangordnung umgekehrt.

In Sachsen gibt es eine Startpflicht aller startfähigen Paare bei Landesmeisterschaften. Im letzten Jahr bin ich trotz fehlender Vorbereitung dieser Pflicht nachgekommen. In diesem Jahr hat mein frisch doktorierter Sportwart Eric mit seiner frisch verheirateten Tanzpartnerin Lissy das gleiche Vorgehen gewählt: Mit gutem Beispiel vorangehen und den Pflichten im Zweifel ohne Vorbereitung nachkommen. Das Ergebnis war exakt identisch: Platz 4 von 5 Paaren mit der Erkenntnis, dass regelmäßiges Training (leider) durch nichts zu ersetzen ist. Weil sich die Hackordnungen sonst eben ändern.  

 

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