Wilsdruff – Einmal große Straße bitte

10. Mai 2017 in Artikel, Ergebnisse

Meine Schrecksekunde war die Allererste: Ich war zu spät gekommen, die Stellprobe meiner Formation schon gelaufen. Zum Glück hatten es alle Formationen rechtzeitig erfahren und geschafft. Nur zwei Ul(l)is, der Turnierleiter und sein Protokollant hatten die Nachricht erst am Turniertag erreicht. Aber mittags ist alles gut gegangen. Da die Turnierleiter meistens etwas eher da sind. Nur zur Sicherheit …

Jede Sportart hat so ihre Besonderheiten. Im Standard- und Lateintanzen kommt international die Kreuz- und Platzwertung aktuell aus der Mode. Zugunsten von Punktwertungen. Judging-System 2.0 oder höher heißt das dort. JMD hat dieses Wertungssystem schon viele Jahre mit Punkten zwischen 1 und 10 in den Kategorien Präsentationsfähigkeit, Technik und Choreographie. Diese Punktsummen bricht man derzeit gemäß TSO bei der Ergebnisermittlung über das Standard-und-Latein-Knie mit Kreuzen und Plätzen. Dabei geht diese praktisch wertvollste Information für die Tänzer und Formationen verloren. Die einzige Chance der Formationen ist, Wertungsrichter zu fragen, in welchen Kategorien Stärken oder Verbesserungspotenziale stecken.

In Wilsdruff war ich unter anderem deshalb so voller Vorfreude, weil ich das erste Mal in einem JMD-Turnierleitungsteam im Protokoll arbeiten durfte. Und damit an der Quelle der wertvollen Informationen saß. Zugegeben, ich war neugierig darauf, wie die Wertungsrichter in den einzelnen Kategorien einschätzen, was mir so an Besonderheiten bei einigen Formationen aufgefallen war. Eine meiner neugierigen Fragen hatte sich mit der Stellprobe erledigt. RosaNegra hatte Kostüme und Choreografie gewechselt. Diese Formation hatte ich nach dem Vorjahresergebnis als Aufstiegsfavorit eingeschätzt. Mit der bisherigen Choreografie waren die Tänzer in Abstiegsgefahr geraten. Durch diese Änderung waren die Karten plötzlich ganz neu gemischt für alle Formationen. Ein Ergebnis der neuen Mischung: Jazzaja. Der Urknall-Freudenausbruch dieser Formation direkt hinter mir am Turnierleitungstisch bei Verkündung der sehnlichst erhofften Botschaft „großes Finale“:  Mein schönster Moment in diesem Turnier. Ich hätte am liebsten mitgeknuddelt bei diesem leidenschaftlich intensiven Glückstaumel.

Ja, ich wollte natürlich auch gern wissen, warum InsTanz derzeit so prädestiniert ist für extreme Abweichungen in den Wertungen. Ich habe die Lösung in den Wertungen finden können. Zum ersten Mal durfte ich zudem Glücksfee(herich) spielen und die Startreihenfolge-Lostrommel festhalten. Mit dem Ergebnis, dass für InsTanz im großen Finale die begehrte letzte Position im Lostopf übrig blieb. Obwohl mir der zweite Durchgang meiner Formation besser gefallen hatte und es die beliebte letzte Startposition war: Zu meiner Überraschung war die Wertung geringer als in der Vorrunde. Allerdings: Ich hatte die Darbietungen erstmals von der Seite in „Turnierleiterperspektive“ gesehen, also nicht der Perspektive der Wertungsrichter und Zuschauer.
InsTanz war definitiv der Hauptgrund dafür, dass es keine „Kniffel“  in der Wertung im großen Finale gab. Es gab dreimal einen Viererpasch. Dazu ein Full-House für die Bonfires. Den Super-Dreierpasch mit den Einsen eroberten die Moskito’s. Zum ersten Mal überhaupt gewinnen die silbernen Pfeile ein JMD-Ligaturnier. Für die Spannung in der Ligatabelle ist das richtig gut, weil dadurch die Aufstiegsfrage erst beim letzten Turnier geklärt wird. Dieses Turnier dürfen wir ausrichten. Unsere JMD-Premiere als Verein, auf die wir uns besonders freuen.

Bei der letzten offenen Wertung des Tages war dann klar: Einmal große Straße bitte für InsTanz. Kenner des genannten Würfelspiels wissen: Es war nur eine kleine Straße. Die im Kniffel für die große Straße „störende“ Eins bedeutet neuen Saison-Rekord an Einsen für InsTanz und tut dem Teamgeist der Mannschaft sehr gut. Jetzt heißt es: Kräfte sammeln für alle zum großen Finale an der Bürgerwiese in Dresden.

PS: Für alle, die das Würfelspiel nicht kennen und daher die Fachbegriffe nicht verstehen:
Hier die Auflösung

ein Team voller Zuversicht betritt die Fläche:
InsTanz in Wilsdruff

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