44. Sportturnier

11. März 2012 in Ergebnisse

Ergebnisse 44. Sportturnier am 11.03.2012 in Dresden

Junioren I D Standard 10 Paare Gesamtergebnis
Junioren I D Latein 14 Paare Gesamtergebnis
Junioren II D Standard 15 Paare Gesamtergebnis
Junioren II D Latein 15 Paare Gesamtergebnis
Jugend C Latein 4 Paare Gesamtergebnis
Bambini Latein 12 Paare Gesamtergebnis
Bambini Standard 10 Paare Gesamtergebnis

 

Die Geschichte der Dorfturniere

Für interessierte Leser, die nicht ganz so tief in der Tanzmaterie stecken: Dorfturniere finden sehr wohl auch in großen Städten statt und sind in der Tänzersprache beschauliche Veranstaltungen am Tage (Sportturnier) oder am Abend (Ballturnier) mit kleinen Startfeldern und wenigen Turnieren. Oft ein Sammelsurium an Turnierklassen, in denen der Veranstalter vorzugsweise seinen eigenen Paaren einen „Heimvorteil“ bieten möchte. Die früher häufiger in Dorfgasthöfen mit Ballsaal ausgetragen wurden.
Kurz nach der Wende waren die Dorfturniere Marktführer unter den Turniersorten. Man munkelte, dort bekommt man die Platzierungen und auf den wenigen Großturnieren mit vielen Paaren die Punkte. So fuhren die Paare überall fleißig hin, um aufzusteigen und eines Tages auf einer Meisterschaft zu tanzen (Bundesland, Deutschland, Europa oder Welt). Als die vielen Bundesländer Landesmeisterschaften für alle Turnierklassen erfanden, übernahmen viele Paare dieser Klassen eine nützliche Tugend, der bei S-Klassen schon immer weit verbreitet war: Eine gezielte Trainings- und Wettkampfplanung auf Meisterschaften. Die nun fast alle tanzen konnten. Das Ende vieler Dorfturniere wird prophezeit. Weil auch die Platzierungs- und Aufstiegsregeln strenger werden. Die Alterseinteilung im Nachwuchsbereich zerfällt. Die Paare mit einem Ü28 Erwachsenen jetzt Platzierungen auf dem Hauptgruppe II.ten Turnierweg ertanzen können. Im jüngeren Altersbereich die Zahl der Paare zurückgeht.

Die Veranstalter denken um: Mehrflächenturniere, Schwerpunktturniere, Trophy’s, altersgerecht betitelte Tanz-Wochenenden entstehen … All jene Kreationen vollgepackt mit Turnierklassen wollen den Paaren sagen: „Wenn wir mal groß sind, werden wir ein Blaues Band oder Hessen tanzt. Nehmt doch bitte uns in Eure Wettkampfplanung auf.“ Nicht alle Neuerfindungen wachsen wie erhofft, so dass auf manchen Veranstaltungen mit dem Titel „Kinder und Jugend“ auch Erwachsene und Senioren ausgeschrieben werden. Oder umgekehrt. Startgebühren bei den Erwachsenen entstehen, um das vorhersehbare Minus zu decken.

So geriet das Dorfturnier auf die rote Liste der bedrohten Turniersorten. Bei der besonderen Unterart der Ballturniere am Abend loben die Veranstalter stetig wachsende Gelder aus. Manche geben auf und wechseln zu den Einladungsturnieren. Ein Schauwettkampf ohne Punkte und Platzierungen, wo der Veranstalter die Paare selbst anspricht. Im Tänzer-Deutschland ist die Computertechnik für Startbücher und Veranstaltungskalender gerade im Entstehen. Keine Kollisionswarnung, wenn das Nachbar-Bundesland ein Dorfturnier mit den gleichen Klassen in der Nähe ausschreibt. Glück gehört dazu.

Es gibt Vereine, die es unermüdlich versuchen. Wie der TSC Excelsior Dresden, der in Dobritz bei Dresden in seinem Clubheim Dorfturniere der Spezies „Sportturnier tagsüber“ zweimal im Jahr anbietet. Die meisten davon finden statt, zuletzt eines am 11.03.2012. In der Jugend C Standard Klasse warten zwei Paare in voller Montur sehnsüchtig auf den Start. Die Dame des dritten Paares hat sich am Vorabend mit 39 Grad Körpertemperatur ins Bett zurückgezogen. Und wird kurzfristig nicht wieder aufstehen, wie die Turnierleitung 5 Minuten vor Turnierbeginn endgültig erfährt. Ein typisches Dorfturnier-Schicksal der deutschen Gegenwart. Ein offenes Turnier benötigt mindestens 3 Paare, ein vorher zu genehmigendes Schautanzen der C-Klasse ebenso. Eine Kombinationsmöglichkeit gab es an diesem Tage leider nicht. Einzig ein „moderiertes Eintanzen“ der Paare für 150 begeisterte Menschen im Publikum kann den Paaren etwas Trost spenden. Denn diese Veranstaltung ist bis auf diese Ausnahme mit Fortuna im Bunde: Keine Terminkollision mit Turnieren in der Nähe. In der Junioren I und II D-Klasse und im Kinder Breitensport strömen die Paare aus Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen und natürlich Sachsen sehr zahlreich herbei. Der Turnierleiter und Präsident des LTV Sachsen Dietrich Rupp hält das Mikrofon über das gesamte Turnier auf Vollgas, um die vielen Zwischenrunden so gut wie möglich im Zeitplan zu halten. Die Sitzplatzkapazitäten sind angesichts der vielen Zuschauer ausgeschöpft. Die Stimmung ist ausgelassen und die Paare werden angefeuert. Dazwischen legen 35 ganz kleine Tanzmäuse zwischen 3 und 8 Jahren mit viel Beifall ihr Tanzsternchen ab. Fröhliche Gesichter bei Kindern, Eltern und Funktionären sind zu sehen.

Wer dabei war, hat es bestimmt gespürt: Es lebt noch, das Dorfturnier. Und wie. Aber etwas Glück gehört definitiv dazu.

Ein Dorfturnierbeisitzer.

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