10 Tänze EM in Wien: Austrian-OPEN 17.11.2007

17. November 2007 in Artikel, Ergebnisse

Christoph & Blanca haben jetzt alles gewonnen und wir waren Live dabei

JJaaaaaaaaaaaaaaahhhh!!
Dieser Schrei erschütterte die mit 1.500 Zuschauern fast vollbesetzte Wiener Stadthalle am 17.11.2007 um 23:26 Uhr. Einige Fans sprangen aus Ihren Sitzen, viele hatten die Arme hochgerissen oder fielen sich um den Hals. Soeben hatte der Moderator durch die Ansage „Second place: couple number seven…“ Misa Cigoj & Alexandra Malai  auf das Treppchen gerufen und wurde dabei mitten im Satz unterbrochen. Ein Vizeeuropameister wurde garantiert selten so bejubelt wie an diesem Abend. Da die Geräusche aus der „deutschen Ecke“ kamen, war den meisten Anwesenden klar, dass dieser Erleichterungsjubel nicht ursächlich den Slowenen galt. Es war zur Freude der knapp 100 deutschen Fans im Saal genau das Paar für den obersten Platz übrig geblieben, was sie sich ersehnt hatten.

Eine Minute zuvor musste das mit Sicherheit unglückliche russische Paar vorzeitig zum Siegertreppchen ausrücken. Daraufhin gaben sich die beiden verbliebenen Paare entgegen der Tradition schon vorher die obligatorischen Platzierungsküsschen. Durch die Bezwingung des ärgsten Widersachers war beiden Paaren bereits zu diesem Zeitpunkt mindestens der halbe Steinbruch vom Herzen gefallen. Als Christoph und Blanca zum Abschluss des Abends das oberste Treppchen erklimmen durften, wurde ihnen ein ebenso stimmgewaltiger Siegerjubel zuteil. Da der deutsche Fanblock schräg hinter dem Siegerpodest lag, brauchten die Sieger-Fotografen diesmal flinke Finger am Abzug, denn Christoph & Blanca suchten umdrehenderweise häufiger den Blickkontakt zu ihren Fans.

Mit diesen glücklichen Augenblicken war der Höhepunkt eines rundum gelungenen „Betriebsausfluges“ zweier Dresdner Sportvereine an die Donau erreicht. Alle blümeranten Erinnerungen an das Wetter, den kaputten Bus und die tragische WM-Silbermedaille exakt zwei Jahre zuvor waren überwunden. Nur das Wetter auf der Strecke von Dresden nach Wien war ähnlich bescheiden. Sowohl der Bus als auch der Fahrer waren in Topform. Als wir vorfristig um 6 Uhr morgens am Ziel ankamen, hat sich Dietrich Rupp in seiner Funktion als Präsident der Dresdner Delegation freiwillig vorgeschickt, um „Witterung“ aufzunehmen. Da vor 7 Uhr nur der Pförtner dienstbereit war, bewahrte der Busfahrer seine Insassen durch eine kleine Stadtrundfahrt vor evtl. gesundheitlichen Folgen des Wiener Morgenfrost-Wetters.

11 Paare nutzen diesmal die Chance eines um 50% ermäßigten Eintritts und meldeten sich als Teilnehmer der Wiener-Walzer-Konkurrenz. So hatten alle diejenigen, die sich nicht für einen Stadtbummel bis zum Nachmittag entschlossen hatten, ein Vormittags-Programm zum Mitfiebern. Bis zur 3. Runde galt es auszuscheiden, um nichts von der Europameisterschaft verpassen zu müssen. Die Wertungsrichter waren kooperativ mit und ließen die überzähligen Kreuze weg. Ein Paar schaffte es erst gar nicht bis zur Vorrunde. Es gehörte zu insgesamt 11 von 221 Paaren dieses Wettkampfs, die sich zwar eine Startnummer holten und den ermäßigten Eintritt sicherten, aber wohl doch lieber stadtbummelten. Für 2 weitere Paare war nach einer Runde Schluss, 5 Paare haben genau zweimal zwei Minuten im Kreis gewalzert. Alle 3 A- und S-Klassen-Paare schafften es in die dritte Runde und hätten ab jetzt Turnierkleidung anlegen dürfen. Zum „Glück“ für den Fanblock machte keiner von seinem Recht Gebrauch, denn zumindest zwei Paare waren akut „weiterkommgefährdet“ und hätten mit Turnierkleidung vermutlich noch eine 4. Runde tanzen sollen.

Somit nahm der Fanblock pünktlich kurz nach 15 Uhr seine „Arbeit“ auf. Immer, wenn das Paar 14 auf der Fläche erschien, wurde es systematisch lauter und ansonsten wieder ruhiger. Wir hatten zwar das Transparent vergessen, aber ansonsten war für jeden ein Winkelement, Rassel- oder Klappergerät vorhanden. In der Vor- und Zwischenrunde schonten sich alle Beteiligten spürbar. Da Christoph&Blanca speziell im Standardteil der Zwischenrunde so ihre „Huddeleien“ mit Paaren hatten, die sich ab und zu mitten auf ihrer Tanzbahn befanden, sahen andere Mitfavoriten zunächst gefälliger aus. Gerade, als die Ersten begannen, sich Sorgen zu machen, kam der Weckruf für unser Paar und seine verständlicherweise unausgeschlafenen Fans. „Los jetzt Blanca, zeig uns was.“ Diese Parole hatte der Cheforganisator für jeden im Saal deutlich vernehmbar ausgegeben. Daraufhin ging ein leichtes Raunen durch das Publikum aber es war die Initialzündung!

Christoph & Blanca gingen jetzt deutlich mehr aus sich heraus. Unsere Delegation gab sich nun nicht länger der schwelenden Müdigkeit hin, nahm die sprichwörtlichen Streichhölzer aus Ihren Augen und klatschte sich wach. Die Konkurrenten aus Russland und Slowenien versuchten mit vielen Schraubensaltos und hohen technischen Schwierigkeitsgraden gegen die schwer zu übertreffende Flächenpräsenz des deutschen Paares anzukommen. Misa Cigoj probierte zusätzlich kleine Showeinlagen, um das Publikum auf der gegenüberliegenden Seite in seinen Bann zu ziehen. Im Rahmen dieser Selbstdarstellung ließ er seine Dame aber nicht immer gut aussehen. Die russischen Vizeweltmeister waren sehr athletisch und in ihrer Geschwindigkeit in Latein schwer zu stellen. Allerdings fehlte speziell in Standard etwas mehr Ausstrahlung nach außen. Die Lockerheit der deutschen Meister im Finale war beeindruckend. Während die Gegner versuchten, kampfstark die restlichen Kohlen aus dem Keller zu holen, war den Favoriten die Leichtigkeit und der Spaß am Tanzen anzusehen. Es muss eine Freude für die Wertungsrichter gewesen sein, dem Paar 14 Einsen und Zweien auf den Zettel zu schreiben. Platzziffer 16 – nur erste und zweite Plätze – lautete das Rekordergebnis für die erstmaligen Europameister. Hoffen wir, dass Sie sich noch nicht so bald bei den Profis „zur Ruhe setzen“ und weitere solche Mammutwettkämpfe über insgesamt 45 Tänze (Siegertanz mitgezählt) erfolgreich abschließen können.

Insgesamt gab es an diesem Abend drei Deutsche Siege. (Ferrugia/Köhler IDSF Standard, Kazlouski/Ritter Jugend Latein) Ein halbes Dutzend deutscher Spitzpaare kam in den Finals in den Genuss des sächsischen Fanblockings und bedankte sich artig. Die Veranstalter, die vor zwei Jahren die übermacht des deutschen Geräuschpegels nicht einkalkuliert hatten, waren abends zur Gegenwehr vorbereitet. Musste der ORF 2005 noch Bild- und Tonmaterial „umschneiden“, um den Jubel „österrreichisch“ im TV erscheinen zu lassen, sollten Showeinlagen diesmal alle Anwesenden zum Mitmachen animieren. Eine Formation der österreichischen Kaderpaare und die ranghöchsten salzburgischen Profis Gschaider/Stöckl mit einer Walzer-Solokür traten im Rahmenprogramm auf. Für die weltmeisterlich qualitätsverwöhnten deutschen Augen waren die Auftritte durchwachsen aber das heimische Publikum wurde gut mitgerissen. So rief der Turnierleiter dann die Fanblöcke aller 6 Finalnationen einzeln zur Tonprobe auf. Von pianissimo wie Italien bis sehr laut wie Deutschland waren alle Nuancen vertreten.

Bis Mitternacht durfte mit den Siegern gefeiert und danach (endlich) im Bus geschlafen werden. Trotz dichten Dauernebels brachte uns der Busfahrer unspektakulär und sicher durch die Waschküche wieder nach Hause.

(Fanblock)-Ergebnis des Wiener-Walzer Wettbewerbes Austrian-OPEN 17.11.2007

angemeldete Paare: 258
erschienene Paare 221
Paare am Start: 210
Nummer Paar Kreuze Platz
580 Thomas Bühn – Melanie Kaiser 20 56
728 Markus Ziebegk – Jenny Müller 28 59-60
569 Phil Schwarick – Franziska Schöne 24 86-88
752 Daniel Sieber – Aileen Böhme 15 111
531 Ulrich Trodler – Ina Trodler 12 114-115
712 Matthias Rose – Annegret Fleischer 7 123
567 Andreas Rachow – Anja Schulze 5 149-150
574 Ronny Hormann – Solveig Herrmann 5 154-155
523 Marian Illinger – Franziska Frenzel 1 175-194
680 Frank Löwe – Sabine Löwe 0 195-210

 

Zum Auflösen der vielen Platzgleichheiten wurde bei kreuzgleichen Paaren die Summe der insgesamt ertanzten Kreuze zur besseren Verteilung hinzugezogen. Das Endergebnis wurde aus den offiziellen Wertungstabellen des Veranstalters nachgerechnet.

Das offizielle Endergebnis des Veranstalter ist etwas verheddert. So werden die Platzierungen der in der ersten Runde ausgeschiedenen Paare mit Platz 169 bis 221 angegeben, obwohl nur 157 Paare für die zweite Runde qualifiziert sind. Dort fehlen Platzziffern.

Vermutung: 11 Paare haben sich wegen der ermäßigten Eintritts eine Startnummer geholt (z.B. Tom & Lisa Uhlig), sind jedoch nicht in den Wettkampf eingestiegen.

Bei der dritten Runde werden die Plätze 98 bis 156 angegeben, obwohl 98 Paare qualifiziert sind. Der 98. Platz ist dort doppelt vergeben.

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