Mannschaftswettkampf 800 Jahre Dresden

9. September 2006 in Ergebnisse

Mannschaftskampf zur 800-Jahr-Feier Dresdens am 09.09.2006 im Ballhaus Watzke

Endergebnis:

Platz Mannschaft Sum WR Sum Publikum Summe
1. Hofjuwelier Dinglinger 458 522 980
1.(*) Gräfin Cosel 454 465 919
2.(*) Graf Brühl 464 428 892
4. August der Starke 425 436 861
5. Hofnarr Fröhlich 346 295 641
6. Baumeister Pöppelmann 269 172 441

 

Besondere Erläuterung zum Gesamtergebnis

Der aufmerksame Beobachter wird festgestellt haben, dass bei diesem Mannschaftskampf der erste Platz zweimal vergeben wurde und dafür kein Dritter Platz.

Der Modus des Mannschaftskampfes mit einer umgekehrten Finalwertung der Wertungsrichter und kombinierter Publikumswertung war eine eigens für diese Veranstaltung ins Leben gerufene Wertungsform. Dies wird durch keine herkömmliche Turnier-Software unterstützt, so dass das Protokollteam dafür eine eigene Anwendung erstellt hat.

Die Charakteristik dieser Wettkampfform bringt eine komplexe Anwendung mit sich, da sechsmal so viele Summen und überträge gebildet werden mussten (180 Stück) wie bei einem herkömmlichen Turnier (30).

Beim Testlauf der Anwendung wurde ein Fehler entdeckt und (nahezu) beseitigt, der durch die reduzierte Anzahl Tänze (4) bei den Junioren zustande kam. Die dafür programmtechnisch eingebaute Weiche hat in 11 von 12 Fällen erfolgreich funktioniert, beim Junioren-Latein Paar der Mannschaft „Hofjuwelier Dinglinger“ jedoch nicht.

Die Kürze der Zeit bis zur Siegerehrung, der hohe Eingabeaufwand der verdeckten Wertungen für 9 Tänze und insgesamt je 200 Publikumsstimmen, führte leider zu einer Abschlusskontrolle nicht in der erforderlichen Präzision. Das Problem wurde unmittelbar nach der Siegerehrung durch das Protokollteam entdeckt und korrigiert, als sich die Paare gerade umzogen.

Leider erzielte dieses Problem wegen des minimalen Punktabstandes auf den Medaillenrängen und der hohen tänzerischen Qualität des betroffenen Paares eine unmittelbare Wirkung auf die Korrektheit des Endergebnisses.

Da Kampfgericht hat daher im Anschluss an den Wettkampf folgenden Beschluss gefasst:

a) die Siegerehrung wird nicht wiederholt und die offiziell vergebenen ersten und zweiten Plätze bleiben bestehen. Beide Mannschaften sind aufgrund ihrer Qualität und des engen Punktanstands würdige Kandidaten für die soeben zuerkannten Platzierungen. Für die Wiederholung der Siegerehrung besteht keine zwingende Notwendigkeit, da die Ergebnisse die sportliche Karriere der Mannschaftsteilnehmer nicht betreffen und der nachhaltig interessierte Zuschauer die Hintergründe in der Ergebnisveröffentlichung erfährt.

b) die Mannschaft „Hofjuwelier Dinglinger“ bekommt zusätzlich den ertanzten 1. Platz nachträglich zuerkannt, die Paare werden informiert und erhalten korrigierte Urkunden. Ein Dritter Platz wird nicht vergeben.

800 Beine tanzen 800 Takte Tanzmusik – Event zur 800-Jahr Feier Dresdens am 09.09.2006 im Ballhaus Watzke

Um ein Fazit vorwegzunehmen: Diese Veranstaltung hat den Tanzsport im Rahmen des Dresdner Stadtjubiläums würdig vertreten und war für die 100 Aktiven und Gäste am Nachmittag sowie 250 am Abend in vielen Dingen erfrischend anders als „gewöhnliche“ Ballturniere. Die Gäste und Aktiven hatten viel Freude, allein deshalb wird der Tag vielen Zuschauern gut im Gedächtnis bleiben. So war am Ende auch niemand traurig, dass nur 700 Beine zusammenkamen, die 800 Takte tanzten.

Da wäre zunächst das Wertungsgericht, dass rein aus weiblichen Richterinnen bestehen sollte und am Ende mit der überraschungs-„Hilfsfrau“ Gerhard Oehmig spontan männlich komplettiert wurde.  Im langsamen Walzer der Senioren, dem ersten zu wertenden Tanz seiner jungen Karriere überhaupt, war die Pulsfrequenz noch zu hoch, dass der doppelt vergebene zweite Platz eine zwangsläufige Tatsachenentscheidung war. Fortan hat der LTVS-Schatzmeister diesen überraschungseinsatz mit buchhalterischer Präzision bravourös gemeistert.

Dass diese Leistung nicht hoch genug zu bewerten ist, zeigt der Umstand, dass die Wertungsrichter die Platzziffern in umgekehrter Reihenfolge vergeben mussten und dies auch noch verdeckt, so dass nicht eine Chance zum „Abgucken“  bei den weiblichen „Profis“ bestand.

Auch Profiwertungsrichterinnen hatten dieses Problem … mit den doppelten Zahlen

Auch Profiwertungsrichterinnen hatten dieses Problem … mit den doppelten Zahlen

Kurz vor dem Start wunderten sich die eingelassenen Gäste, warum den drei Herren auf der Bühne niemand beim Kisten tragen half, so doch genügend junge kräftige Männer im Saal waren. Als sich die Herren kurz nach getaner Arbeit blaue Glanzhemden anzogen, wurde klar: Das ist die Livekapelle aus Chemnitz, die mit dem letzten Tropfen Schweiß ihre Technik pünktlich hingezaubert hatte. Das Repertoire der rhythmisch feinfühligen Band war moderner als es das scheinbare Alter der Vortragenden vermuten ließ und lockte das begeisterungsfähige Publikum zügig auf die Fläche.

Für die eben erwähnte Begeisterungsfähigkeit gab es an diesem Abend einen konkreten Messwert: Die Zahl der Teilnehmer an der Publikumswertung. Mit 200 überaus sachkundig abgegebenen Stimmzetteln je Gruppe mit 1 bis 3 Kreuzen wurde eine überwältigende Beteiligungsquote erreicht, die an die vor 1989 üblichen Wahlbeteiligungen nahtlos anknüpfen konnte. Die Kritiker dieser Wertungsart mussten sich eingestehen: RTL macht’s möglich, das tanzbegeisterte Publikum in Dresden hat nach dieser Form demokratischer Mitbestimmung bei Ballturnieren förmlich gelechzt (Einige fragten sogar nach Einzelwertung!). Die Ansagerin im Protokollteam – Ina Trodler – hatte nach der Erfassung von ca. 1.000 Einzelwertungen mit belegter Stimme ein ähnlich tiefgreifendes Bedürfnis: Flüssigkeitsnachschub.

Aber: Begeisterung beim Publikum muss vorher entsprechend geschürt werden: Dafür waren gleich zwei Herren eingeteilt, die in Dresden das Maß aller Dinge in Sachen Turniermoderation darstellen: Dietrich Rupp und Michael Hölschke. Beide mussten gleich zu Beginn der Veranstaltung einen für Doppelmoderation essenziellen Lernprozess durchleben: Wie bekomme ich die Schwingungen meiner Stimmbänder in den Griff, wenn mein Trommelfell spürt, dass das andere Mikrofon gerade spricht …?
Des einen Dresden-historische Sachkenntnisse und des anderen Talent, allseits unbeliebte Kunstpausen tänzerischen Umziehens mit komischem Talent kurzweilig zu überbrücken, waren das Eintrittsgeld wert.

Apropos: Umziehen. In dieser Beziehung haben Christoph&Blanca den Moderatoren tatsächlich soviel abverlangt, wie sich selbst auch. Das neue Schautanz-Programm bot für das geübte Auge viele schöne und interessante Bilder (z.B. Zebrastreifen-Hosenrock), die nicht alle die gewünschte Wirkung beim Publikum erzielten.

Seltener Anblick: Hosenrock beim Standardtanz

Seltener Anblick: Hosenrock beim Standardtanz

Höhepunkt des gesamten Abends: Die barfüßige Samba in Sommer-Sonne-Strand-und-Meer-Kleidung verfolgten zahlreiche halb umgezogene Tänzer des direkt vorher zu Ende gegangenen Mannschaftskampfs von der Balustrade der Umkleideräume und erlebten einen wahren Beifallssturm, mit dem sich die Zuschauer für 90 Sekunden leibhaftig gewordene Urlaubsgefühle angemessen bedankten.

... atemberaubend …  da wurde das Parkett regelrecht sandig

… atemberaubend … da wurde das Parkett regelrecht sandig

Die neue viel anspruchsvollere Paso-Doble-Choreographie im Zeichen technischer Vollendung spanischer Volkskunst mit Kastagnetten verdient höchste Anerkennung, reißt das Publikum allerdings nicht so mit, wie die frühere Stierkampf-Choreographie. Eines musste dafür vor allem hart trainiert werden: Kraftausdauer in den Handgelenken der Dame. Für Moskau wird dies zum Glück nicht notwendig sein, nach den Standing-Ovations und einem „Zugabe-Tango“ war ihnen das Daumendrücken aller Zuschauer für den WM-Titel gewiss.

Zurück zu den auf der Balustrade zuschauenden Tänzern, die die eigentliche Attraktion des Abends waren. Sechs vereinsmäßig bunt gemischte Mannschaften mit drei bis fünf Paaren wurden mit barocken Mannschaftsnamen ausgeschmückt. Alle Paare versuchten in ihren Alterklassen und Sektionen das Bestmögliche herauszuholen, bestens unterstützt durch die hervorragende Musikauswahl von Andre Markert, dessen Aufleger-Qualität in Dresden konkurrenzlos ist. Ein großer Dresdner Verein entsandte leider nur eine Wertungsrichterin, obwohl einige Junioren-Paare nach eigenem Bekunden gern gekommen wären. Da dieser Verein einen Großteil der Dresdener Juniorenpaare beheimatet, war die Lücke in dieser Altersklasse organisatorisch um so schwieriger zu schließen. Am Ende konnten die Hofnarren und Baumeister nichts gegen die Adligen und dessen Juweliere ausrichten, wenngleich der August nicht so stark war, wie es die Geschichtsbücher vorgeben. Dank eines (zu) spät entdeckten Rechenfehlers – der einzigen Panne an diesem Tag – kamen am Ende sogar zwei Mannschaften in den Genuss des ersten Platzes.

Barocke Mannschaft aus 4 Vereinen: Excelsior, Serenade, Galaxy und Residenz

Barocke Mannschaft aus 4 Vereinen: Excelsior, Serenade, Galaxy und Residenz

Spannend für die Paare ist das kennen lernen ihrer Publikumswirksamkeit. Rene Arndt / Maria Heinrich waren hier mit mehr als doppelt soviel Stimmen aus dem Publikum klare Sieger. An der Spitze lieferten sich zwei frisch getrennte Ex-Partner ein Kopf-an-Kopf Rennen. Christian Langer und Jenny Müller. Der Herr erzielte mit seiner „Neuen“ Caroline Götze allerdings mit 166 Stimmen den absoluten Publikumsrekord, da konnte Jenny mit ihrem aus der brandenburgischen Neißeregion „importierten“ Partner Walter Wolf nicht gegenhalten.

Weitere spannende Fragen nach der Wirksamkeit von ungewöhnlichen Accesoires wie Bärten oder Kopfbedeckungen beantwortete das Publikum ebenfalls bereitwillig: Karsten Wendt, von seinen Mitstreitern wegen seiner Körpergröße und des Haarschmucks im Kinnbereich auch liebevoll „großer Zwerg“ genannt wird, musste erkennen, dass ihn die Zuschauer mit erheblichen Punktabzügen bedachten. Anja Schulze erging es mit ihrer Kopfbedeckung allerdings nicht wirklich besser. Sie und ihr Partner Andreas Rachow, der auf dieser Veranstaltung für das richtige Licht gesorgt hatte, konnten sich später mit einer Swing-Formation zum Ausgleich ihren Sonder-Beifall abholen.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von einer irischen Steptanzgruppe, die im Originaltext des internen Regieplans der Organisatoren wie folgt angekündigt wurde: „19:00 Uhr Opening Irish Dance (Geßner) Knaller !!!!“
Damit sich die vom Autor erhoffte Wirkung einstellt, musste das Publikum kräftig mithelfen. Durch den frühen Auftrittszeitpunkt waren die Zuschauer noch nicht soweit wie erhofft aus der Reserve zu locken. Als Lohn für die gezeigten technischen Finessen der synchronen Parkettbeschallung kam vom Präsidenten des LTVS prompt ein „feindliches übernahmeangebot“ zur Integration in den Schoß des Deutschen Tanzsportverbandes. Eine Bereicherung wäre diese Tanzgruppe allemal.

Rückblickend auch auf die Workshops am Nachmittag bleibt festzustellen, dass sich mit Ausnahme weniger Vereine, die höfliche Zurückhaltung übten, alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbrachten. Da das Publikum zumeist aus den Reihen der beiden Vereine der Ausrichtergemeinschaft TSK Residenz und TSC Excelsior kamen erfüllte sich die Hoffnung nicht, zahlreiche Außenstehende am Tanzen zu begeistern und lässt darauf schließen, dass nicht alle Tanzinteressierten Dresdner rechtzeitig davon erfahren haben.

Einzelergebnisse der Paare getrennt nach Sektion:

Die WR-Wertung der Junioren muss pauschal um 5/4 angehoben werden, um den fehlenden Tanz auszugleichen. Die Platzierung war somit zu niedrig um die Publikumswirksamkeit zu hoch ermittelt.

Paar Herr Dame Sektion Sum WR Sum Publikum Summe
41 Christian Langer Caroline Götze LAT 144 166 310
35 Phil Schwarick Franziska Schöne LAT 128(102) 160 288
11 Walter Wolf Jenny Müller STD 144 143 287
25 Phil Schwarick Franziska Schöne STD 140(112) 135 275
32 Benedikt Grünberg Isabell Derichs LAT 133(106) 120 253
22 Tom Uhlig Lisa Uhlig STD 116(93) 136 252
3 Mario Weidner Susanne Weidner STD 131 107 238
23 Julian N. Hong Kathrin Renner STD 119(95) 103 222
14 Andreas Lützner Doreen Scheinpflug STD 120 91 211
44 Andreas Lützner Doreen Scheinpflug LAT 126 83 209
2 Andreas Hoffmann Kerstin Hoffmann STD 101 104 205
5 Volker Wedel Manuela Schuster STD 109 88 197
13 Marco Albrecht Sabine Reh STD 80 91 171
33 Julian N. Hong Kathrin Renner LAT 111(89) 60 171
45 Steffen Nowak Tina Hering LAT 71 86 157
31 Steve Hädicke Saskia Adam LAT 59(47) 92 151
43 Marco Albrecht Sabine Reh LAT 69 67 136
6 Jörg Hübner Annett Hansemann STD 69 66 135
1 Ralf Partuschke Andrea Partuschke STD 75 46 121
15 Steffen Nowak Tina Hering STD 64 53 117
12 Alexander Schöne Laura Dalicho STD 64 40 104
42 Andreas Rachow Anja Schulze LAT 61 36 97
24 Rene Arndt Maria Heinrich STD 34(27) 59 93
46 Karsten Wendt Sylvia Weise LAT 54 38 92
34 Rene Arndt Maria Heinrich LAT 40(32) 48 88
16 Karsten Wendt Sylvia Weise STD 53 32 85
26 Michael Graf Marika Weiß STD 61(49) 20 81
21 Stephan Hähnel Dominique Weiß STD 55(44) 18 73
36 Michael Graf Marika Weiß LAT 55(44) 16 71
4 Gerd Rösler Gabriela Rösler STD 41 14 55

Hinterlasse eine Antwort

Du musst Dich einloggen, um einen Kommentar zu schreiben.

Wir benutzen Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch deinen Besuch stimmst du dem zu.
Zur Werkzeugleiste springen