50 Jahre Excelsior Dresden

14. Mai 2005 in Artikel

Einen festlichen Tanzball mit einer Fülle von Darbietungen außerhalb des Rahmens von Sportwettkämpfen findet man nicht oft. Der TSC Excelsior hat sich an diesem Konzept versucht und die festlich geschmückten Räumlichkeiten des Hotel Westin Bellevue mit 360 Gästen füllen können. Nur an den hintersten Tischen waren noch Restplätze zu vergeben, die einige Besucher des zum gleichen Zeitpunkt in Dresden stattfindenden Dixieland-Festivals vielleicht gern genommen hätten.

Die Veranstaltung war die 50-Jahre-Jubiläumsgala, und so musste mit einigen Gratulanten gerechnet werden. Nach den einführenden und dankenden Worten der Vereinsvorsitzenden Ursula Rupp wurde dann auch mit Blumen und kleinen Aufmerksamkeiten des gemeinsamen Weges gedacht und einer künftigen Zusammenarbeit Erfolg gewünscht. Die Gratulationskur teilte das Publikum in zwei Lager: die vorrausschauend Wissenden und die ungeduldig Wartenden. Am Ende wurden beide mit der Eröffnung des Buffets und einem mitreißendem Programm belohnt.

Durch den Abend führte Dietrich Rupp als Moderator ganz ohne die protokollarischen Zwänge eines Turnierleiters. Diese gewonnene künstlerische Freiheit ließ ihn zu Höchstform auflaufen. Zum letzten Mal zeigte er mit seiner Frau den legendären Schüttelfox, gestandene vierfache Großeltern in DDR-Nachkriegs-Haushaltsreinigungskleidung eine Minute mit Präzision und Bewegungsvolumen eines Jugendpaares. Die nachfolgende Moderation unter Tränen und noch mit gesundheitsgefährdendem Puls erreichte dann auch die Herzen der entferntesten Zuschauer. Es wäre schade, wenn dieses Kulturgut nicht an die Jüngeren im Verein weitergegeben und von diesen gepflegt würde.

Zu diesem Zeitpunkt waren viele Gäste selbst schon tänzerisch aktiv und hatten die Kindergruppen (Freizeitsportbereich) und einen großen Teil der aktiven Paare des TSC Excelsior erlebt. Der Nachwuchs hat sich nach Jahren der Flaute dank dreier junger motivierter Trainer gut entwickelt. Von den aktiven Paaren konnten die Medaillengewinner der letzten Landesmeisterschaften Glückwünsche und einen kleinen Trainingskostenzuschuss entgegen nehmen.

Wenigstens genauso viel Herzklopfen hatten unsere Breitensportler, die nicht Nein sagen konnten und sich mit ihren Möglichkeiten an der Vereinspräsentation beteiligten. Den Gästen wurde Freude am Tanzsport in dieser Form demonstriert und mit viel Beifall honoriert.

Der akribisch vorbereitete Zeitplan enthielt auch einige für den Moderator überraschende Programmpunkte. Christoph Kies hatte mit einer Reihe von Paaren des Vereines der B- bis Sonderklasse eine Standard- und eine Lateinformation einstudiert. Da Sachsen eine weitgehend „formationsfreie Zone“ darstellt, stockte den Zuschauern der Atem im Angesicht der erfolgreichen Bemühungen, die individuelle Qualität der Paare in synchrone und harmonische Bildordnungen zu bringen. Dieses schönste Geschenk zum 50-jährigen hatte einen Hauch von 2. Bundesliga der Formationen Standard/Latein und nährt die Hoffnung, dass sich Dresden eines Tages an dieser Wettbewerbsart beteiligt.

Höhepunkte des Abends waren dann der eben gelobte Trainer mit seiner Partnerin Blanca Ribas-Turon sowie Christoph Jonas / Elena Zverevshikova, wohnhaft in Berlin, aber für den Verein aus Dresden startend.

Erstere waren eine Woche zuvor zum dritten Mal in Folge deutsche Meister über 10 Tänze geworden. Die vielen Fans, die den weiten Weg in die Nähe von Mannheim nicht angetreten hatten, nutzten die Chance zur „Nachfeier“ in der Heimat. Christoph & Blanca bedankten sich mit einer Paso-Doble-Showeinlage in der Dramaturgie eines Stierkampfes, ein Export aus der spanischen Heimat der Dame.

Der andere Christoph mit seiner Elena ist Lateinspezialist und auf dem Weg nach oben, eine neues Paar, das den Alteingesessenen in der Deutschen Spitze bereits neue Rangkämpfe eingebracht hat.

Die Qualität der Darbietungen und die Stimmung der Gäste war jetzt nicht mehr steigerungsfähig. Man soll bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. So fanden sich auf der gut beanspruchten Fläche neben dem Ehepaar Rupp drei weitere Paare ein, gleichfalls ausgestattet mit der beim Schüttelfox angedeuteten erotischen Zweckbekleidung der deutschen Nachkriegsküche. Diesmal mit zusätzlicher Bewaffnung durch Gummistiefel und Schrubber. Diese rhythmische Reinigungsbrigade hat dem Hotel Bellevue sicher Verunreinigungen übrig gelassen, die sinnbildliche Wirkung und der erotisch-ästhetische Kontrast zum Vorprogramm wurden jedoch nicht verfehlt. Ein gelungener Abschluss für einen schönen Abend kurz nach Mitternacht.

 

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